Bericht Rom-Marathon am 26.03.2006

Wir hatten uns im November 2005 für die Teilnahme gemeldet und auf einen milden Winter gehofft, um uns gut vorbereiten zu können. Wie alle wissen, kam es anders. Am 25.12.05 fiel in Berlin der erste Schnee und Eis und Schnee blieben uns bis Mitte März mit nur einer kurzen Unterbrechung erhalten. Die niedrigen, bis -15 Grad kalten Temparaturen waren ja nicht so schlimm. Aber der Schnee taute an, wurde Matsch, gefror wieder und es entstanden glatte Buckelpisten, auf denen auch die Spikes nicht viel ausrichteten.

Laufen im Wald - unmöglich. Vom Laufen in der Stadt hatten wir bald genug. Aber es half nichts - wir wollten ja nach Rom. Wir trainierten (nur) 3x wöchentlich. Das sonst in der Marathonvorbereitung übliche wöchentliche Tempotraining auf der Bahn entfiel, da kein Stadion geöffnet hatte. Drei Mal liefen wir 30km unter schweren Bedingungen und in miserablen Zeiten. Wir wußten also Bescheid, es würde keine Bestzeit in Rom werden.

Anreise

 

Wir hatten die Flüge selbst über Easyjet sehr günstig gebucht und das Hotel und die Marathonanmeldung über den Veranstalter Interair. Wir entschieden uns für ein eher einfaches, dafür preiswertes und recht günstig gelegenes Hotel (Taormina). Der Hinflug fand am 25.03.06 um 07:10h statt - das bedeutete Aufstehen um 04:00h. Mit dem Flug ging alles glatt. Einen Transfer vom Flughafen Ciampino zum Bahnhof Termini hatten wir ebenfalls im Vorhinein gebucht (Terravision). Auch dies funktionierte und vom Bahnhof gingen wir ca. 20min zum Hotel.

Eingecheckt und dann mit der U-Bahn zur Startnummern-Ausgabe gefahren. Die Ausgabe verlief etwas italienisch chaotisch, da der Andrang sehr groß war. Aber sobald man den Einlass in den abgesperrten Ausgabe-Bereich geschafft hatte, funktionierte alles gut. Es gab sogar die Finisher-Shirts noch in den benötigten Größen. Die kleine Marathon-Messe war nicht so interessant. Aber ich bestellte noch eine DVD, in die persönliche Bilder eingefügt werden (ca. 43 EUR). Die Kameras hierfür sollten bei km10, km 30 und m Ziel stehen.

 

Danach fuhren wir wieder ins Zentrum, spazierten ums Colosseum und die Via dei Fori Imperiali entlang und schauten den Vorbereitungen für den Lauf zu. Nicht zuviel, wir wollten ja die Füße schonen. Abends noch ordentlich Nudeln gegessen, für morgen alles zurechtgelegt und rechtzeitig ins Bett.

Der Lauf

Schon wieder früh aufstehen! Im Hotel gab es ausnahmsweise ab 07:00h statt sonst 07:30h Frühstück und der Frühstücksraum war voller Marathonis. 1 1/2 Brötchen mit Honig, etwas Kaffee und viel Wasser genommen. Die Laufsachen angezogen - es war Sonne und ca. 18 Grad zu erwarten - und die empfindlichen Stellen dick mit Vaseline eingeschmiert. Bis zuletzt war uns nicht klar, ob der Start um 09:00h oder 09:15h erfolgen soll. Aber ich gehe ja sowieso lieber zu früh als zu spät los. Auf dem Weg zum Start lösten sich unbemerkt die Nummern-Aufkleber von den Taschen ab. Was nun? Zum Glück lag ein Souvenirladen auf dem Weg und ich hatte etwas Geld dabei. So kauften wir 4 (sicherheitshalber für jeden 2) Aufkleber und einen Stift. Gerettet!

Dann gingen wir immer den Massen nach, die zur Nordwestseite des Colosseums strömten. Den Kleider-LKW von Bernd fanden wir schnell. Ein neuer Schreck - die Toiletten dort heillos überfüllt. Die LKW für Frauen befanden sich ganz hinten in der Via Claudia. Dort waren auch Toiletten - leer! Erleichtert gingen wir zurück zum Colosseum. An der Südseite waren die Engänge in die Korridore, die zum jeweiligen Startblock führten (A-D). Das war gut gelöst. Auch die langsamste Frau war dem Block C zugeordnet, so dass Bernd und ich noch zusammen bleiben konnten. Ich hatte gelesen, dass am Eingang zum Startblock die Startnummer eingescannt wird - dies war aber nicht der Fall. Der Chip für die Zeitmessung befand sich in einer Tüte, angeklebt auf der Rückseite der Startnummer, sollte dort bleiben und im Ziel wieder abgegeben werden. Später stellte sich heraus, dass dieses neue Prinzip der einzig größere Mangel dieses Marathons sein würde.
 

Wir waren etwa 08:45h im Startblock. Wann nun tatsächlich der Start erfolgte, weiß ich nicht. Beim Start trennten Bernd und ich uns gleich, denn Bernd wollte ja eine Stunde vor mir ins Ziel kommen. Ich lief etwa 2min nach dem Start über die Matten. Gleich 200m hinter dem Start gab es rechts viele Toiletten. Da ohnehin noch großer Stau herrschte, ging ich gleich nochmal dorthin. Es ging am Circus Massimus entlang und zum Tiberufer und anfangs säumte auch Musik unseren Weg. Am Tiber entlang - schon war km 5 erreicht.

Ich hatte wegen des Start-Staus und dem Toilettenbesuch eine Verspätung von 2min gegenüber dem Plan, aber die Verspätung schmolz von Kilometer zu Kilometer. Der Plan sah so aus (nicht lachen, auch die ganz hinten laufen haben so ihre Ziele): 14km in 6:30min, 14km in 6:50min, 14km in 7:10min, ergibt eine Zielzeit von 04:51h. Ich fühlte mich gut, es war noch schattig und kühl und ich konnte nun auch mein Tempo laufen.

Wir überquerten den Tiber und liefen auf der Via Conciliazone auf den Petersplatz zu. Es war etwa 10:00h und die Kirchenglocken läuteten. Einfach toll! In der Gegend des Vatikan gab es auch viele Zuschauer. Schon kam km10 in Sicht (1:05:14). Dann weiter durch eine schattige Wohngegend zum westlichen Tiberufer und etwa 4km Richtung Norden am Tiber entlang. Hier war es sehr ruhig, kein Publikum aber gut zu laufen. Wir mussten aber wieder auf die andere Tiberseite. Die Tiberüberquerung erfolgte über eine lange Autobrücke in der inzwischen knalligen Sonne und mit einem schier endlosen Anstieg. Hier sah ich, wie ein Läufer vor mir seinen Chip verlor. Ich lief zu ihm vor und schickte ihn zurück. Später hörte ich von Bernd und anderen Läufern, dass auch sie verlorene Chips sahen. Bernd nahm einen Chip mit bis ins Ziel. Es gab offenbar viele Läufer, die den Chip verloren, denn später entschuldigte sich der Veranstalter und der Lieferer der Startnummern. Es lag wohl an dem Klebstoff, mit dem die Tüten, in denen der Chip war, an der Startnummer befestigt war.


Ich merkte jedenfalls jetzt schon, wie der Anstieg und die Sonne und die Abgase der sich neben uns stauenden Autos an den Kräften zehrte und dass ich nicht mehr wirklich locker lief. Es war erst km 19! An der Schwammstation hinter der Tiberbrücke waren zudem die Schwämme alle, so dass es erst mal keine Erfrischung gab. Ansonsten waren an den Verpflegungspunkten immer Wasser und Gatorade, Apfelsinen und Äpfel vorhanden. Bananen waren öfters alle, auch im Ziel. Den Halbmarathon- Punkt erreichte ich zwar genau im Plan (2:19:33), aber die Beine waren schon schwer.

Nun liefen wir am östlichen Ufer lange, etwa 7 km, wieder auf das Zantrum zu. Die Strecke war ok, aber sehr sonnig und ohne Publikum. Etwa bei km 25 liefen wir durch einen Tunnel und kamen dann bald ins Zentrum. Hier waren die Straßen den Läufern vorbehalten und die Touristen mussten sich auf den schmalen Bürgersteigen drängen. Die Gegend war interessant und das lenkte ab. An der Piazza Navona liefen wir ganz dicht an den in den Cafes sitzenden Touristen entlang, die auch ordentlich anfeuerten. An der Piazza di Popolo der km 30 (3:28:23) und die Kamera für die bestellte DVD. Inzwischen war bereits klar, dass ich meine Zielzeit <5:00h nicht erreichen würde.
An der spanischen Treppe ging es vorbei, ohne dass ich es überhaupt merkte. Trevibrunnen und dann schon bald wieder Richtung Circus Massimo und auf die lange Strecke noch einmal stadtauswärts Richtung Basilika Sao Paolo. Hier kamen uns ab km 34 die Läufer entgegen, die bereits bei km 40 waren. Ich hatte mich auf eine elend lange Strecke eingestellt; aber irgendwie, mit Bauchkrämpfen bei km 36, ging auch dies vorbei. Es kam km 40 (04:50:59). Die Beine waren schwer, die Zehen stießen seit lamgem vorn an und schmerzten - aber nun war das finishen sicher. Seit dem Verlassen des Zentrums gab es fast keine Zuschauer mehr, auch nicht auf dem letzten Kilometer. So einsam war ich auf den letzten Metern noch nie. Die böse Steigung bei km 42 bin ich hochgelaufen und die letzten 400m abwärts ins Ziel vergingen wie von selbst (5:08:31).

Medaille und Wärmefolie erhalten, Chip abgegeben. Hinterm Zaun stand bereits Bernd, der Fotos machte. Er hat sein Ziel, unter 04:00h zu laufen, erreicht. Kleiderbeutel abgeholt und Gatorade und Wasser gegriffen und ein Stündchen in die Sonne gelegt. Bananen und Äpfel waren leider alle, es gab nur noch Apfelsinen. Alles in allem war es ein gut organisierter, schöner Lauf. Die Römer müssen noch lernen, die Läufer etwas mehr anzufeuern und für Stimmung zu sorgen. 10.500 Läufer bringen sicher viele Übernachtungen und Geld in die Stadt. Der Veranstalter wird aus der Panne mit den Chips sicher seine Lehre ziehen. - Ich denke, es wird nächstes Jahr wieder mit Championships gelaufen. Ich fand es schade, dass nicht auch über die Via Appia Antica gelaufen wurde - irgendwie hätte das gut gepaßt. Nach unserem Sonnenbad gingen wir ins Hotel zurück und schauten noch einigen Läufern zu, die gerade aufs Ziel zuliefen. Die Letzten kamen nach 07:28h an. Geduscht, eine Stunde ausgeruht und dann zur Marathonparty des Veranstalters Interair gegangen, für die die Reiseleiterinnen einen Pub in der Nähe des Colosseums ausgesucht hatten. Von den 60 Interair-Reisenden (davon 37 Läufer) nahmen etwa 20 an der Party teil. Es gab ein Bierchen vom Veranstalter und jede Menge Austausch von Erfahrungen und Erlebnissen. Hier stellte sich auch heraus, dass verlorene, auf der Strecke liegende Chips von allen beobachtet wurden. Gegen 23:30h - endlich - ins Bett gefallen.

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© berlin-runner Katrin