Athen-Marathon 31.10.10 - 2500 Jahre Marathon!

Wie kamen wir darauf?

 

Im Jahr 2010 jährte sich die Schlacht der Athener gegen die Perser in der Ebene von Marathon im Jahr 490 v.Chr. zum 2500. Mal und damit auch die Legende des ersten Marathon-Laufes. Danach sei nach der von den Athenern gewonnenen Schlacht ein Läufer die 42 km nach Athen geeilt, um den Sieg zu verkünden und nach Verkündung seiner Botschaft tot zusammengebrochen.

Diese Legende lebte bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen wieder auf. Es fand dort ein Langstreckenlauf über 40km statt auf der Strecke von dem Dorf Marathon nach Athen. Der Lauf endete im Athener Panathinaikon-Stadion, das bereits seit der Antike bestand und für die Olympischen Spiele 1896 wieder hergerichtet wurde.

 

Der Ausrichter des jährlichen Athen-Marathons SEGAS wollte den 2500. Jahrestag mit einer großen Laufveranstaltung begehen und lud zum Jubiläumslauf.

 

Wir buchten die Reise bereits im November 2009 und da unser Lieblingsreiseveranstalter die Reise zu dem Zeitpunkt noch nicht anbot, probierten wir die Konkurrenz aus. Die Probleme mit meinem Knie waren noch nicht vorhanden, so dass wir uns beide zum Marathonlauf anmeldeten. 

 

Leider wurde ich ja dann wegen eines eingeklemmten Meniskus im September am Knie operiert und musste auf den 10km-Lauf ummelden. Es war aber sehr fraglich, ob ich das Zeitlimit von 90 min schaffen würde, denn Laufen war noch lange nicht möglich.

 

Anreise und vor dem Lauf 

 

Wir hatten die Flüge selbst gebucht, das Hotel hatte der Reiseveranstalter gewählt. Hinflug Freitag Mittag mit Easyjet. Easyjet mochte ich noch nie, da es keine reservierten Sitzplätze gibt. Diesmal gab es nicht mal Wasser kostenlos an Bord. Danke, nicht wieder. Zum Hotel kamen wir problemlos mit der U-Bahn. Schade nur, dass uns der Reiseveranstalter mitgeteilt hatte, dass es den Freifahrtschein für Laufteilnehmer im Hotel gibt. So bezahlten wir 10 EUR für die Fahrkarte, da wir nicht wussten, dass auch am Flughafen ein Vertreter von Segas ist, der die Karten verteilt.

 

Wir wohnten im Hotel Golden City, das 5 Minuten Fußweg vom Omonia-Platz entfernt liegt - allerdings in einer zwielichtigen arabisch beherrschten Gegend, vermutlich Drogenumschlagplatz. Das Zimmer im 2. Stock war ok, allerdings war der Verkehrslärm sehr stark. Und es waren auf der Etage jede Nacht andere Gruppen von Jugendlichen untergebracht, die spät ins Hotel kamen und dann bis nachts 2 bis 3 Uhr lärmten. Es war schlimm. Der Reiseleiter, den ich am Marathonmorgen darauf ansprach, meinte, in der Nacht vor dem Marathon würde man ja sowieso nicht so gut schlafen. Danke - der Lärm ging bis gegen 3 Uhr und um 5 Uhr mussten wir aufstehen. In der letzten Nacht - nachdem wir erkannt hatten, dass tatsächlich jede Nacht neue Jugendliche einzogen, wechselten wir endlich in ein Zimmer im 6.Stock - herrlich!

 

Am Freitag abends fand ein Willkommenstreffen des Reiseveranstalters statt. Die Sitzplätze waren sehr begrenzt, aber wir waren rechtzeitig da. Es wurde über die Historie des Laufes und über die - recht schwere - Strecke etwas erzählt. Es war auch ein Beamer vorhanden - leider gab es kein einziges Foto von der Strecke zu sehen. Dann wurde noch bekanntgegeben, dass die Abfahrt zur Streckenbesichtigung an nächsten Tag eine halbe Stunde früher stattfindet. Leider hatte der Reiseleiter unseres Hotels das nicht mitbekommen und es hing auch keine Handynummer von ihm oder einem anderen Reiseleiter aus, so dass wir uns einige andere eben “zu früh” am Bus waren.

 

Am Samstag fuhren wir die Strecke nach Marathon ab und besichtigten den Startbereich - der Bus hätte hier nicht gehalten, wenn wir (!) nicht darum gebeten hätten - und das Marathon-Museum. Auf der Rückfahrt gab es eine Kaffeepause in einem Hotel am Meer. Die Fahrt endete am Panathnaikon-Stadion und von dort gingen wir die kurze Strecke zum Zappion, wo die Laufmesse war. Die Startnummernausgabe hat gut geklappt, die Organisatoren waren auf den großen Ansturm gut vorbereitet. Die Messe ansonsten - wie alles in Athen irgendwie laut und hektisch, so dass keine rechte Lust zum Stöbern und Kaufen aufkam. Gels oder Riegel hätte man hier aber kaufen können. 

Mit der U-Bahn (immer rammelvoll) waren wir schnell wieder im Hotel und hatten ab 16 h Zeit zum Ausruhen und zur Vorbereitung unserer Sachen für den Lauf. Abends gingen wir zum Nudelessen in das einzige Restaurant, das wir in der Nähe der Hotels gefunden hatten.

Der Lauftag  

Die Abfahrt der Marathonis zum Start nach Marathon war um 6:30h. Vorher gab es Frühstück. Wir hatten inzwischen Antje und Ron kennengelernt, so dass Bernd mit Ron nach Marathon und Antje - die auch 10km lief - und ich zusammen zum Start zum Panathinaikon-Stadion fuhren.

 

Der Start des 10km-Laufes war um 9:30 h. Wir gingen um 7:45h los und hatten dann genug Zeit, uns noch einmal im Startbereich umzusehen und uns eine Toilette zu suchen. Das Wetter war toll, noch kühl, aber die Sonne schien schon. Für die Marathonis wurde es später mit ca. 21 Grad recht warm. Immer noch besser als das Wetter des Vorjahres, als es von 6h bis 10h stark regnete.

Ich wollte die Strecke walken, da mein Knie noch nicht so belastet werden konnte. Allerdings hatte ich Bange, dass ich die Zielzeit von 90 min nicht schaffen könnte. Nach 90min sollte der Einlauf ins Stadion gesperrt werden, da dann bald der erste Marathoni erwartet wurde. 

Antje lief sich noch warm, ich stellte mich schon mal in den Startblock. Ich wollte so wenig Brutto-Netto-Differenz wie möglich haben. Aber schon kurz nach dem Start merkte ich, dass das Knie schon viel besser funktionierte als bei meinem letzten Trainingswalk eine Woche zuvor. Bei km 2 wusste ich bereits, dass die 90min kein Problem werden und ich genoss alles. Jeden Kilometer genoss ich und wünschte zwischendurch auch, dass die Strecke länger sei. Ich war so glücklich, wieder dabei zu sein - auch wenn es diesmal nur 10km waren. Aber es war endlich wieder ein Wettkampf! Ich erfand dabei eine neue Gangart, das Walfen. Ein Schleichlauf zwischen Walken und Laufen ohne große Stoßbelastung. Es gab auf der Strecke kaum Zuschauer und nicht eine einzige Band und trotzdem war ich so happy. Die Strecke war ein Hin- und Zurück-Kurs, der die ersten 5km etwas anstieg und dafür in der zweiten Hälfte leicht bergab führte. Entsprechend leicht war die 2. Hälfte. Als ich dann ins Stadion kam, kaum ausgepowert und mit vielen Reserven, das tolle Stadion, die Zuschauer, die Musik, konnte ich mich nicht halten und lief die letzten 100m richtig ins Ziel. Armes Knie! Ich kam in der unglaublichen Zeit von 1:15 h an. Schade, viel zu schnell vorbei!

 

Im Ziel gab es eine Medaille, Wasser, Saft und Bananen. Alles gut organisiert. Ich blieb noch an der Strecke, um den Einlauf der ersten Marathonis zu sehen. Es gewann ein Kenianer. Na ja. Von mir aus müsste es keine Preisgelder geben. Ich konnte aber auch beobachten, wie die letzten 10km-Teilnehmer seitlich aus der Strecke gelotst wurden und tatsächlich nicht ins Stadion einlaufen konnten.

Dann holte ich meinen Beutel, zog mich um und wanderte zurück zum Stadion. Dort suchte ich mir einen Platz bei der Medaillenübergabe, um auf Bernd zu warten. Zum Glück kam er schneller als gedacht, denn die Sonne brannte und ich bekam Durst. Bernd lief schon nach 4:08h ins Stadion ein. Wegen der schweren Strecke mit langen langen Anstiegen hatten wir mit einer längeren Zeit gerechnet. Beim Einlauf bekam er auch noch mal richtig Schwung drauf, so dass er nicht leicht zu fotografieren war. 

 

Bernd hatte sich den Lauf bestens eingeteilt, hatte fast bei jeder Gelegenheit eine Wasserflasche genommen und sich auch mehrfach vorbeugend gegen Krämpfe massieren bzw. einsprühen lassen. Die Versorgung und Betreuung an der Strecke war sehr gut, es gab fast alle 2,5 km Wasser, häufig auch Isogetränke, dann auch mal Müsliriegel und einmal auch Gel. Großes Lob an den Veranstalter SEGAS, der mit der Verdreifachung der Teilnehmerzahl beim Marathon so gut klarkam! 

Wir gingen dann zusammen aus dem Stadion und Bernd holte seinen Beutel, der sich in einem LKW befand. Hier herrschte leider Chaos, 1000 unsortierte Beutel vor dem LKW und völlig überforderte Helfer. Zum Glück dauerte es dann doch nur 10 Minuten, bis er die Sachen hatte. Dann kehrten wir noch einmal ins Stadion zurück und sahen den anderen noch ein Stündchen beim Einlaufen zu. Danach ins Hotel, geduscht, etwas ausgeruht und ins Restaurant zum Abendessen gegangen.

Wir hatten dann noch zwei Tage in Athen und besichtigten die Akropolis, die Agora (den antiken Marktplatz), die Altstadt und Piräus mit dem Fährhafen und den Jachthäfen. Mehr Zeit braucht man in Athen nicht. Für Akropolis und die anderen antiken Sehenswürdigkeiten kauft man ein Sammeleintrittsticket für 12 EUR. Schade, hätte Bernd seine Finisher-Medaille mitgehabt, hätte es für ihn nur die Hälfte gekostet. Ob das für die anderen Teilnehmer auch gegolten hätte, weiß ich nicht.

 

Solche Information hätte ich mir schon von meinem Reiseveranstalter gewünscht. Wir werden jedenfalls bei diesem nicht mehr buchen, sondern nächstes Mal reumütig zu Interair zurückkehren. Da weiß man, was man hat.

Fürs Frühjahr wünschen wir uns ganz doll den Kopenhagen-Marathon und haben uns dafür schon mit anderen aus unserer Great-Wall-Reisegruppe verabredet. Hoffentlich kann ich dann wieder laufen! Vor zwei Tagen bin ich erstmalig wieder 3,5 km und heute 5km langsam gelaufen - dem Knie geht’s anscheinend gut! Bitte Daumen drücken, dass es so bleibt!

 

Noch ein bißchen Statistik:

Den Marathon finishten 10.084 Läufer. Im Vergleich: 2009 beendeten 3.855 Teilnehmer den Lauf! Beim 10km Lauf nahmen 3.251 Läufer teil. 2009 waren es 1.900. Und beim 5km-Lauf finishten 2.527. Hier liefen 2009 1.634 ein.

 

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© berlin-runner Katrin