Bericht 25km-von-Berlin-Lauf am 07.05.06

Wir hatten unser Lauftraining im Winter ja kaum verringert wegen der Teilnahme am Rom-Marathon am 26.03.05. In den Wochen vorher liefen wir zwischen 40 u. 45 km/Woche. Im Hinblick auf die Ausdauer fühlte ich mich also gut vorbereitet. Leider hatten wir in diesem Jahr erst 2x Tempotraining auf dem Konto, das wir meist als Yasso auf der Bahn absolvieren.


Für den Sonntag ist herrliches Frühsommerwetter angesagt, Sonne satt und 24 Grad. Biergarten-, aber kein Laufwetter. So entscheiden wir uns für kurz/kurz als Kleidung und nehmen noch den Trinkgürtel mit, in dem sich diesmal auch das Powergel in aufgelöster Form befindet.

 

Der Start erfolgt um 10:00h am Olympischen Platz. Wie in den Jahren zuvor auch werden die Kleiderbeutel in Zelten auf dem Stadiongelände abgegeben. Wie immer sind wir zeitig dort, genießen die noch angenehme Wärme und die Tatsache, dass hier kein Anstehen am WC nötig ist.


Am Start des 25km-Laufes sollen sich nach Angaben des Sprechers etwa 6.500 Läufer befinden. Davon werden 4878 das Ziel erreichen. Ich laufe nach nur 53 Sekunden über die Startlinie und beginne den vorerst sehr angenehmen, leicht abwärts und im Schatten liegenden Weg über die Reichsstraße und den Kaiserdamm Richtung Ernst-Reuter-Platz (km 5). Es ist alles nur schön, läuft sich leicht und mit Erschrecken stelle ich fest, dass ich den ersten Kilometer in 05:50 min laufe. Zu schnell! Nach meinem Plan sollte ich 06:20 min bis km 13 laufen und den Rest in 06:40 min. Ich wäre damit in 02:42:20 h im Ziel. Ich laufe langsamer und trotzdem bleibt es bis km 4 bei Zeiten um die 06:00 min. Dadurch habe ich bei km 5 bereits einen Vorsprung vor dem Plan von 1:30 min.


Dann allerdings wird es immer wärmer und es gibt keinen Schatten mehr. Ich laufe nun im Plan weiter und erreiche km 10 bei etwa 1:03 h. Das Brandenburger Tor bei km 9 verursacht bei weitem nicht solche Gänsehaut wie beim Berlin-Marathon, wo sich dieses 300 m vor dem Ziel befindet. Bei km 10 befindet sich der zweite Getränkestand und ich nehme immer soviel Wasser, wie ich in mich hineinbekomme. Der Rest wird in den Nacken geschüttet.

 

Unter den Linden, Friedrichstraße, Gendarmenmarkt, Leipziger Straße ziehen vorbei und am Potsdamer Platz (ca. km 12) wird das Laufen nun schwerer. Ich tröste mich damit, dass ich nach meinem Plan ab km 13 ja auch etwas nachlassen kann. Der Schock trifft mich (genau wie im vorigen Jahr auch) bei km 15, kurz vor dem Start des 10km-Laufes: Nicht allein, dass mein schöner Vorsprung von 1:30 min weg ist, nein! Ich schnecke meinem Plan bereits um 1:30 min hinterher! Wo ist die Zeit geblieben, ganze 3 min sind weg! Das ist ein Tiefschlag für die Moral! Am Tauentzien stehen viele Zuschauer und so versuche ich, einen lockeren Lauf zu bewahren.


Kurfürstendamm, Leibnizstraße, Kantstraße. Sehnsüchtig erwarte ich jedes Kilometer-Schild und bete mir vor: km 17 - noch 8 km. Acht Kilometer sind doch immer drin. Beim Marathon wärst du jetzt schon bei km 34! Fast da, sozusagen. Reiß dich zusammen! Auf der Kantstraße die ersten Geher. Außerdem überholen die ersten Läufer des 10km-Laufes. Beides untergräbt die Moral. Es will mir heute gar nicht gelingen, abzuschalten und einfach nur vor mich hin zu laufen.

 

 

Dann die Steigung zum S-Bahnhof Witzleben. Hier gehe ich zum ersten Mal. Mist. Oben am Bahnhof sollte aber Mama stehen, also trabe ich bald wieder an. Sie ist auch da, das ist prima. Wir verabreden kurz eine Treffpunkt nach dem Lauf, dann geht es weiter Richtung 20km-Schild und Getränkestand. Plötzlich ist mir so und ich suche das erste Mal im Wettkampf eine Toilette auf. Zum Glück ist kein Anstehen nötig. An dem gereichten Wasser verschlucke ich mich derart, dass ich den Verdacht habe, alle Teile meines Körpers hätten sich mit den Beinen verschworen und wollen mich zum Aufhören bringen. Nicht mit mir!


Dem Halbmarathon-Punkt erreiche ich nach 2:22:53 h, eine schlechte Zeit. Da war ich ja im Training schon schneller! Nun die Steigung zum S-Bahnhof Heerstraße. Ich laufe fast ganz hoch und gehe oben ein kleines Stück. Wir teilen uns die Strecke nun zunehmend mit den überholenden 10km-Läufern, die am hellblauen Shirt zu erkennen sind Dann geht es abwärts die halbschattige Seitenstraße an der Heerstraße entlang. Bei km 22 steht ein Engel mit einem Wassereimer am Wegesrand und überschüttet jeden Bedürftigen mit einem Schwall Wasser. Danke!! Nun muss die Qual ja bald ein Ende haben, noch die Passenheimer Straße hoch und in die Jesse-Owens-Allee eingebogen. Kurz vor km 24 steht der einzige zusätzlich vom Veranstalter aufgebaute Wasserstand. Leider sind die Becher alle, so dass es nur eine Erfrischung von außen gibt. Der Sprecher am Start hatte von mehreren zusätzlichen Wasserstellen wegen des warmen Wetters gesprochen.

 

Jetzt kann aber nichts mehr aufhalten, nach links ins Stadiongelände abgebogen und ab durch den schön kühlen Tunnel Richtung Tartanbahn gelaufen! Am Ausgang des Tunnels steht schon Bernd und macht ein Foto. Diesmal laufen wir im Stadion links herum und nach 300m ist nach 2:51:48 h endlich das Ziel erreicht. Bernd steht schon wieder dort und macht Fotos. Trotz des eindeutigen Verfehlens der erhofften Zeit bin ich froh und glücklich. Es gibt sehr schöne Medaillien in Form des Berlin-Umrisses.


Dann die Treppe am Olympischen Feuer hochgeklettert und versucht, etwas Verpflegung zu erhaschen. Hier ist alles sehr sehr voll und wimmelt vor allem von 10km-Läufern. Ein paar Stücken Banane erwische ich gerade noch so, am Wasser- und Tee-Stand unheimliches Gedrängel. Der Verpflegungsbereich ist viel zu winzig für die Läufermassen. Wer nach den 25km wacklig auf den Beinen ist und die Ellenbogen nicht einsetzen kann, hat Pech.


Fazit: In Bezug auf Läuferzahl und Strecke ein schöner Lauf. An der Strecke zu wenig Wasserstellen, zumal seit Tagen bekannt war, mit welchem Wetter zu rechnen ist. Toll der Einlauf ins Stadion. Die Vermischung mit den 10km-Läufern, die ab km 22 (12:30h) auf der Strecke massenhaft vorbeizogen, fand ich nicht so gelungen. Erst recht nicht, dass ich meine Ellbogen brauchte, um inmitten der bananenbewaffneten 10km-Läufer auch noch ein paar Kohlenhydrate zu erwischen. Ich hoffe, in dieser Hinsicht wird sich künftig etwas ändern.

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© berlin-runner Katrin