Kloß im Hals - Riga 15.05.2016

Ich hatte das Hotel Gutenbergs schon im Mai 2015 gebucht: ein gut bewertetes  4* Hotel in einem alten Haus direkt am Dom und in unmittelbarer  Start- und Zielnähe  für 59 Eur/Nacht mit kostenloser Stornomöglichkeit, das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

 

Anfang Januar meldete ich uns zu den Läufen an und während bei mir alles normal lief, öffnete sich bei Bernds Anmeldung gar nicht die Zahlungsseite. Sondern es kam gleich die Nachricht: „Zahlung erfolgreich – Startnummer 880“. Oh Dankeschön – kostenloser Start für Bernd!

Am Samstag landeten wir mittags mit Air Baltics mit einer halben Stunde Verfrühung in Riga und mussten etwas auf die verspätete Lufthansa warten, mit der  unsere Freundin Jeanine eintraf. Zur Altstadt fuhr ein Bus (2 Eur) und nach 10 min Fußweg waren wir am Hotel. Leider regnete  es und wir wurden ziemlich nass. Wir bekamen schöne Zimmer in der 4. Etage, gleich unter dem Dach, liebevoll renoviert, mit Dachschräge und leicht abfallendem Fußboden.

Ein schneller Kaffee, dann machten wir uns auf zur Startnummernausgabe im Olympic Center, etwa 4km vom Hotel entfernt. Ich hatte dort Menschenmassen und Chaos erwartet, schließlich sollen 33.000 Läufer für die Veranstaltung gemeldet  gewesen sein - für die Kinderläufe am Samstag und die 4 Läufe  (M, HM, 10km, 6km) am Sonntag. Aber es war ganz leer. Zurück nahmen wir einen Bus, schließlich soll man sich vor dem Lauf schonen. 

Wir zogen durch die schöne Altstadt, nun auf der Suche nach einem Italiener für unser Nudelessen und landeten im Il Patio, wo eine mittelgroßes leckeres Nudelgericht 6 Euro kostete. Bernd reichte es nicht und er bestellte noch nach. Im Regen gingen wir an vielen Cafés und Restaurants, manche mit Livemusik, zurück zum Hotel. Wir hofften, dass es morgen nicht regnen würde. Tatsächlich versprach der Wetterbericht 14 Grad, nachts auch nicht kälter, und trockenes Wetter bis 14h. Wir hofften, dass alle gegen 12:30h im Ziel sein würden.

Ich schlief gut, obwohl es auf der Straße recht laut war wegen einer Bar gegenüber. Wir waren  mit Jeanine um 6:30h zum Frühstück verabredet, wurden dann aber um 05:30h durch ihr Klopfen geweckt. ??? Mist, es war schon 6:30h, mein Handy hatte den Zeitzonenwechsel nicht mitgemacht. Na gut, wir brauchten nur 15min, dann ab zum Frühstück. Wegen einiger hier wohnender Läufer hatte das Hotel früher als sonst mit dem Frühstück begonnen. 

Draußen war es angenehm mild und trocken. Wir stellten fest, dass sich unser Hotel näher am Start befand als die Kleiderbeutelabgabe. Perfekt! 

Für mich sollte es der erste Halbmarathon seit einem Jahr werden, nach Meniskus-OP und   wiederholten Fersensporn-Problemen. Ich war erst seit 12 Tagen schmerzfrei und seitdem im Training maximal 12km gelaufen. Und das ganz langsam. Ich war mir in den Tagen davor nicht ganz sicher gewesen, ob ich das Ziel bis zum Zielschluss von 3h erreichen würde, aber am Start hatte ich keine Zweifel mehr. Bernd und ich hatten Startnummern für den 1. Startblock, Jeanine für den 2. Offenbar war die Einteilung nach Anmeldedatum erfolgt. Wir blieben bei Jeanine im 2. Block und pünktlich wurde gestartet. 

Jeanine lief gleich nach vorn weg, Bernd wenig später. Ich lief ganz locker und die ersten 3km trotzdem in einem für mich schnellen Tempo knapp unter 7min. Ich freute mich so, dass ich dabei war und mir nichts weh tat. Dann kamen die ersten Fotomotive in Sicht, für die ich jeweils kurz stehen blieb. Ja, da verschlechterte sich der km-Schnitt, aber es war mir so egal. Bei km 4 begann die Brücke über die Düna und ich sah die Motorräder, die vor den Spitzenläufern fuhren, bereits zurückkommen. Das wollte ich fotografieren, aber dann dauerte es noch 2min, bis der Erste kam. Egal, habe ich eben gewartet. 

Dann liefen wir auf der Insel Kipsala entlang, hier standen noch alte Holzhäuser in wildromantischen Gärten.  Es war eine Begegnungsstrecke und bei km 5,5 traf ich auf Bernd, der bei 7,5 war. Schnell ein Foto, weiter. Nach 300m holte er mich von hinten ein, ihm war eingefallen, dass er mich auch fotografieren will. Ich war nicht sehr erfreut, eine zusätzliche Strecke von 600m für ihn! Bald ging es wieder zurück über die Brücke in Richtung Altstadt. Wir kamen bei km10,5 dicht am Hotel vorbei und ich hätte hier aussteigen  können, wenn ich Probleme gehabt hätte. Hatte ich nicht und freute mich.

Bei km 11 erlebte ich mein Highlight des Laufes: die Allee der Folklore-Gruppen, die auf Podesten stehend die Läufer anfeuerten. Zufällig war ich ganz allein, als ich durchlief. Na ja, am Ende wurde das Feld eben dünner. Es war Gänsehaut pur. Ich war so glücklich, dass ich dabei war und dass ich ohne Probleme laufen konnte. Ich hatte auf einmal einen Kloß im Hals und ganz nasse Augen... Es war schon wieder eine Begegnungsstrecke und ich freute mich schon darauf, nach 2,5km wieder durch die Folkloreallee zu laufen. 

Auf der Gegenstrecke sah ich nun die Flaggenallee - Soldaten hielten die Flaggen aller teilnehmenden Nationen. Es sah toll aus und ich freute mich auf das Foto, das ich auf der Gegenstrecke machen würde. Leider leider wurde ich enttäuscht, denn als ich 12 min später wiederkam, waren die Flaggenträger und die Folklore-Gruppen verschwunden und machten Pause, bis die Marathonis das 2. Mal kamen. Wieder ein Kloß im Hals... Tja, langsam laufen ist ok, aber zu langsam sollte man eben auch nicht sein. 

Die Strecke führte nun durch die Altstadt und ich hatte viel zu schauen, die hübschen alten Gebäude, Cafés, Restaurants. Besonders fiel mir auf, dass die Polizei offensichtlich ihre bestaussehendsten Mitarbeiter in die Altstadt abgestellt hatte.

Huch, schon war km14,5 erreicht, die Strecke war erneut eine Begegnungsstrecke, diesmal entlang der Düna. Die Uhr zeigte 1:50h, ich konnte mir sicher sein, das Ziel unter 3h zu erreichen. Bei km 16 begegnete ich Jeanine, sie war bei km21, bei 16,5 traf ich Bernd. Küsschen, Foto, weiter.  Ich hatte nun nur noch 1km bis zum Umkehrpunkt und dann hieß es ja nur noch 3km zum Ziel zu laufen! Ich kam nach 2:39h ins Ziel und hatte die ganze Zeit nur Spaß und Freude. Glücklich und wieder mit feuchten Augen erhielt ich die ersehnte Medaille und einen Verpflegungsbeutel und ging zum Hotel zum Duschen.

Danach kehrte ich zurück zum Ziel, um Jeanine und Bernd zu empfangen. Beide erreichten das Ziel nicht unter 4h und wussten danach gar nicht richtig, warum und was schief gelaufen war. Egal, Jeanine wurde 2. der Altersklasse, Bernd 3. - wenn das kein Grund ist, sich zu freuen! 

Nach ein paar Stunden Ausruhen – draußen regnete es inzwischen stark - feierten wir unsere Erfolge bei einem leckeren Abendessen in einem Restaurant in der Altstadt.

 

Bernd und ich bleiben dann noch 3 Tage in Riga, Jeanine leider nur noch einen. Mit Jeanine besichtigten wir am Montag die schön restaurierte Altstadt und die Markthallen – ein unbedingtes Muß! Sardinen für 0,40 Eur/kg und Lachs für 3,20 Eur, ein Paradies! Leider hatten wir ja keine Kochmöglichkeit. Allerdings liegt unser Durchschnittseinkommen dreimal höher als das der Letten, so erklärt sich das.

 

Am Abend wurde Bernd krank - ein Magen-Darm-Infekt. Mist, der Ärmste. Jeanine reiste ab und unser geplantes Programm – Ethnologisches Museum – fiel aus. Am Mittwoch ging es Bernd besser und wir konnten bei schönstem Wetter mit dem Vorortzug 20km nach Jurmala, einem bekannten alten Badeort an der Ostsee, fahren. In der Nacht hatte der Infekt mich dann auch erwischt und mir graute vor der Rückreise. Es ging aber alles gut, obwohl ich mich sehr schwach fühlte und fast nichts essen konnte.

 

Trotzdem eine gelungene Reise, ich kann Riga nur empfehlen. 

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© berlin-runner Katrin