Great Wall Marathon 15.05.10

Der Great-Wall-Marathon wurde vom dänischen Reiseveranstalter Albatros Travel vor 11 Jahren ins Leben gerufen und wird von diesem vollständig durchorganisiert.  Von Deutschland aus meldet man sich am besten über einen deutschen Reiseveranstalter an.  

 

Vor dem Lauf

 

Wir kamen nach einem Nachtflug am 12.05. In Peking an, erhielten unsere Marathonunterlagen im Hotel und hatten den Tag zur freien Verfügung. Am nächsten Morgen um 5:30 Uhr wurden alle Läufer und Begleitpersonen in Bussen zur Großen Mauer in Huangyaguan gefahren, um den auf der Mauer zu absolvierenden Streckenabschnitt abzugehen und sich mit der Strecke bekannt zu machen. Wir besichtigten den Start/Zielbereich im Fort und es gab ausführliche Instruktionen zum Lauf vom dänischen Veranstalter.  Danach fuhren die Busse uns die 4,5km lange Bergstraße zum Mauereinstieg hoch und wir gingen die Mauerstrecke ab.

 

Zuerst schien die Strecke nicht so schwer wie erwartet, aber im hinteren, nicht rekonstruierten Bereich waren lange Strecken abwärts zurückzulegen. Endlich unten, waren die Beine sehr müde und das Anlaufen fiel recht schwer. Zum Glück hatte ich mich bereits auf den Halbmarathon umgemeldet, so dass nach dem Mauerabschnitt “nur” noch etwa 11km  zurückzulegen waren. Nach der Mauerbesichtigung gab es ein reisengroßes Sandwich und die Busse fuhren uns ins 45 min entfernte Städtchen Jixian, wo wir die nächsten beiden Nächte bis zum Wettkampf wohnen würden.

 

Der Tag zwischen Mauerbesichtigung und Wettkampf war frei und wir nahmen an einem organisierten Ausflug teil.

 

Am Abend des 14.05. fand in dem hinsichtlich der Zimmer sehr guten Hotel Yuyang in Jixian eine daneben gegangene Pastaparty statt. Es waren ja nur zwei Nudelsorten und drei Saucen vorgesehen - aber diese waren ständig alle. Zur Krönung ging auch 10min nach Beginn der Party das Wasser aus, so dass nur Bier und Cola zur Auswahl standen. Ideal am Vorabend eines Marathons!

 

Der Wettkampf

 

Wir wurden um 4h geweckt und es gab ein sehr dürftiges Frühstück, bestehend aus trockenem Brot, Marmelade, einer Sorte Wurst und Bananen. Wir hatten kaum geschlafen - ich nicht vor Aufregung, Bernd nicht wegen Magenschmerzen (auch Aufregung?). Um 5h fuhren die Busse ab und wir kamen kurz vor 6h im Fort an. Unsere Gruppe suchte sich erst mal einen Platz auf der Tribüne, an dem später etwas Schatten sein würde. Vorerst war es sehr frisch und wie ließen die Wechselsachen noch an. Wir cremten uns mit Sonnencreme ein - es waren 26 Grad und Sonne zu erwarten - und machten ein bißchen bei der Aufwärmgymnastik mit. An der Toilette gab es eine lange Schlange bei den Herren und bei den Damen war nix los. Mal was anderes! Aber die Toilette im Fort ist schlimmst-chinesisch. Es gab noch Shirts und Andenken zu kaufen und wir nahmen zwei schöne Basecaps mit. Die Zeit verging doch recht schnell und schon startete der erste Block der schnelleren Marathon- und Halbmarathon-Läufer mit Bernd.

 

Zehn Minuten später war ich dran und mit mir standen viele aus unserer Gruppe am Start. Oben über dem Tor hatte sich Christian aus unserer Gruppe postiert, um Startfotos zu schießen. Ich rechnete mit einer Zeit zwischen 3 und 3,5 Stunden. Der Startschuss knallte und los gings hinaus aus dem Fort in Richtung “schlimme” Bergstraße. Die ersten Minuten lief ich gemeinsam mit Sabine (HM), hinter uns waren Doris (M) und Reto (M). Nach 800m gab es bereits den ersten Wasserstand.  Ich nahm eine Flasche mit, fand es aber bald ziemlich lästig, diese zu tragen und füllte später das Wasser in die Gürtelflaschen um. Ich befand mich nun auf der 4,5 km langen in Serpentinen verlaufenden Bergstasse, vor der ich vorher einen Riesenrespekt hatte. Sabine musste ich bald ziehen lassen, auch Doris und Reto überholten. Aber mir ging es gut, es war noch kühl und ich lief langsam aber stetig hoch. Dieser Teil der Strecke war doch gar nicht so schlimm.

Das Höhenprofil

Nach 40 min war der Mauereinstieg erreicht und auf einmal war auch Doris wieder da. Wir liefen ein schönes Stück auf der Mauer gemeinsam. Wenn die Stufen flach waren, liefen wir, waren sie hoch, dann gingen wir. In den Türmen gab es wieder Wasser. Am runden Turm, wo der schmale nicht rekonstruierte Teil der Mauer begann, mussten wir 5min anstehen. Danach ging es meist nur noch in einer Läuferschlange weiter. Eigenes Tempo war nicht drin, aber wenigstens bewegte die Schlange sich recht zügig. Die Strecke fiel mir viel leichter als am Besichtigungstag - Adrenalin! Nach etwa einer Stunde war die Strecke auf der Mauer geschafft und ich lief auf die Runde auf dem Wall um das Fort herum. Auch das Laufen auf ebener Strecke nach dem Abstieg von der Mauer fiel mir leichter als zwei Tage zuvor.  Am Ende der Runde bei den Kanonen hatten sich Achim - unser Reiseleiter - und Christian postiert und machten fleißig Fotos.

 

Danach ging es die steile Stiege hinab auf den Yin-und Yang-Platz und wieder durch das Tor hinaus aus dem Fort auf die Straße. Hier gab es außer Wasser auch Bananen und Isogetränke. Angela und Adi (M) waren nun vor mir. Auf der asphaltierten Straße lief es sich gut und es gab etwas Schatten sowie einige Zuschauer und Kinder, die sich abklatschen ließen. Allerdings gab es auch etwas Straßenverkehr - da hieß es schön aufmerksam sein! Nach 3,5 km bog die Strecke halb links auf einen Sandweg am Flussbett entlang ab. Der Weg lief sich auch gut, lag aber in der prallen Sonne. Es war jetzt auch schon recht warm. Zum Glück gab es auch in kurzen Abständen Wasser. Etwa 1,5km weiter führte die Strecke nach links über eine Brücke in den Ort Duanzhuang. Bald war der Punkt erreicht, an dem sich die Marathon- und Halbmarathonstrecke trennten.

 

Die Halbmarathonstrecke verlief kreuz und quer durch das Dorf, so dass ich bald die Orientierung verlor. Es gab aber überall Einweiser. Am Straßenrand saßen die Dorfbewohner und bestaunten das Geschehen. Die Strecke war zum Teil sehr ausgewaschen und uneben und hatte  Steigungen, so dass ich manchmal ging. Vor und hinter mit waren vereinzelt Läufer, manchmal war ich aber auch ganz allein. Etwa bei km15 traf meine Strecke wieder mit der Marathonstrecke zusammen - für die Marathonis war hier schon km28. Einige Marathonis waren hier schon unterwegs. Zurück über den Fluss und den Sandweg entlang war ich nun bei km 17,5. Hier traf ich auf die entgegen kommende Ruth, die mit 76 Jahren älteste Teilnehmerin des Rennens, die sich beim km12 befand. Sie erreichte in unglaublichen 4:25:35 h das Ziel. 

 

Nun musste ich nur noch die Asphaltstraße zurück zum Fort und ins Ziel laufen und begann, meine Zeit hochzurechnen. Vielleicht könnte ich es unter 3:15h schaffen? Der Zieleinlauf im Fort war unbeschreiblich, jeder Läufer wurde mit Namen angesagt und bejubelt. Gänsehaut! Medaille erhalten, Foto gemacht und erst mal durchatmen! Meine Zeit war 3:12:57h.

 

Ich ging zu unserer Gruppe und traf dort auf Sabine, die bereits 20min vor mir im Ziel war! Dann postierte ich mich in dem Bereich, wo Bernd auf dem Weg zum zweiten Mal auf die Mauer bald vorbeikommen müsste und machte dann auch schöne Fotos von ihm und einigen anderen aus unserer Gruppe. Nachdem Bernd durch war, hatte ich Zeit zum Duschen und für einen Imbiss. Es gab wieder ein Riesensandwich.

 

Später stellte ich mich in den Bereich des Zieleinlaufes und wartet auf Bernd. Er kam nach 5:42:42 h glücklich ins Ziel. Er sah recht gezeichnet aus, denn er war auf der Strecke zwischen den Dörfern ziemlich schwer gestürzt. Beim 2. Mal auf der Mauer hatte er heftige Wadenkrämpfe und ihm half ein anderer Läufer beim Dehnen. Auf der dann bergab verlaufenden Bergstraße, Bernd hatte ordentlich Tempo drauf, bat ihn dann wiederum jemand um Hilfe. Bernd schleppte den Läufer zum nächsten Schattenplatz ab und gab ihm Wasser. Bernd meinte hinterher, er sei bei dem Lauf erstmals an seine Leistungsgrenze gekommen.    

 

Die Gruppe hatte verabredet, dass wir alle gemeinsam in einem Bus zurückfahren wollen und so warteten wir im Zielbereich auf die noch fehlenden Marathonis. Der Bus fuhr dann gegen 16h ab nach Peking und um 19h waren wir geschafft und glücklich endlich im Hotel.   

 

Ganz lieben Dank an Achim von Interair und Katrin, die unsere Reisegruppe mit großer Einsatzbereitschaft betreut haben und an Christian, der viele tolle Fotos gemacht hat.

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© berlin-runner Katrin