Bericht 32. Berlin-Marathon am 25.09.2005

Mein 2. Marathon! Nachdem ich den ersten 2004 in 5:01:48 h bewältigte, hatte ich mir diesmal eine Zeit unter 5 h fest vorgenommen. Bernd und ich trainierten trotz bevorstehendem Umzug und Claudias Hochzeit am 22.09.05 hart. Hartes Training - das hört sich komisch an bei meinen Zielzeiten, stimmt aber. Schnecken können nicht schneller! Mindestens 1x in der Woche stand Bahntraining auf dem Programm, bei dem ich Yassos (schnelle 800m-Läufe mit 400m Pause) übte. Zum Ende des Trainings schaffte ich 10 Yassos in 4:20 min, so dass nach Herrn Yasso eine Marathonzeit von 4:20h möglich sein sollte. Dass das für mich illusorisch war, wusste ich natürlich. Ich wollte die 5h knacken!
 

Am Samstag davor am Frühstückslauf teilgenommen und ansonsten ausgeruht und Nudeln gegessen. Für Sonntag war ein Sonne-Wolken-Mix und 24 Grad angesagt - oje, viel zu warm. Da ich sehr temperaturabhängig - am liebsten bei 15 Grad - laufe, hatte ich bereits wegen des Wetters Zweifel, meine Wunschzeit zu erreichen.

Am Sonntag wachte ich bereits um 05:00 h auf und sah noch einen Boxkampf im Fernsehen. In Runde 8 kam auch Bernd dazu. Dann 2 Toast gefrühstückt, Bernd führte Thule aus. Unsere Sachen lagen alle bereit. Um 07.12h mit der S-Bahn losgefahren. Es war bereits jetzt nur blauer Himmel zu sehen. Kurz vor 08:00h waren wir im Startbereich. Ich wollte mich diesmal frühzeitig und vorn in Block H einreihen, um nicht schon auf den ersten Kilometern Zeit zu verlieren und meinem Plan hinterherzuhinken. Alles klappte prima, ich stand gegen 08:10h im Block H vorn. Konnte von dort sogar nochmal Pipi gehen, allerdings mit Zaun-Übersteigung. Von Bernd hatte ich mich bereits verabschiedet, er startete von Block E beim ersten Startschuss.

 

Ich stand in der Menschenmenge, schaute auf die Läufer, die Luftballons und die Hubschrauber und es dauerte für mein Empfinden gar nicht lange, da fiel der erste Schuss. Ich dachte noch einmal ganz intensiv an Bernd und rechnete mit weiteren 40 min Wartezeit wie im letzten Jahr. Da knallte es schon zum zweitenmal und schon setzte sich unser Block zum Start hin in Bewegung. Um 09:15h fiel mein Startschuss und es ging los.
 

Ich lief nur 43 Sekunden nach dem Schuss über die Startlinie. Das Läuferfeld war dicht, aber nicht gedrängt und ich konnte von Anfang an mein Tempo laufen. Kilometer 1 durchlief ich bei 6:05 min, 15 Sekunden zu schnell. Auf den nächsten Kilometern ergab sich ein Vorsprung zu meinem Plan von 40 Sekunden. Das gab mir Auftrieb, denn letztes Jahr hatte ich durch dichtes Gedrängel auf den ersten 5km bereits 2 Minuten verloren. Mein Plan sah so aus: 14km in 6:20 min/km, weitere 14km in 6:50, die letzten 14 in 7:20min. Das hätte eine Zielzeit von 4:48 h ergeben.
 

Hitze war noch nicht zu spüren und an jeder Getränkestelle nahm ich einen Becher, trank ihn halb und schütte den Rest in den Nacken. Die ersten 10 Kilometer liefen leicht und prima, dann wurde es schwerer. Die Aussicht, noch weitere 30km laufen zu müssen, ließ meinen Mut sinken. Auf der sonnigen Heinrich-Heine-Straße bei km13 verfluchte ich dann schon die Idee, wieder Marathon laufen zu wollen. Ich lag noch gut in der Zeit, hatte die ersten 14km fast im Plan geschafft und versuchte mich damit zu trösten, dass ich nun etwas nachlassen kann. Bei km16,5 stand die erste Dusche, die ich auch durchlief. An den Straßen standen Bands und Zuschauer- aber trotzdem! Die Strecke zog sich wie Gummi.

 

 

Dann der Halbmarathon-Punkt. Ich hatte inzwischen die Orientierung verloren und gar nicht gemerkt, dass ich schon die Potsdamer Straße entlanggelaufen war. Am HM war ich bei 2:18:00h, nur 8 Sekunden nach dem Plan. Das und der Gedanke, dass die Strecke jetzt immer kürzer wird, gab mir etwas Auftrieb. Ich lief jetzt durch mir unbekanntes Stadtgebiet und beobachtete, wie ein Kilometer nach dem anderen verging. Bei km25 genehmigte ich mir das erste Power-Gel und siehe, nach kurzer Zeit wurde alles leichter! Dann, Lentzeallee, km 27 - Susi mit ihren Neffen! Ich erkannte sie am Banner und rief sie an. Die Jungs liefen ein Stück mit. Super!
 

Nun wurde es an der Straße immer lauter, ich näherte mich dem Wilden Eber bei km28. Super Stimmung, viele Zuschauer. Kurz dahinter ein Getränkestand, die Straße wurde enger und von hinten hakelte jemand in meine Füße. Ich stolperte heftig. Blödmann, und entschuldigen konnte er sich auch nicht. Nun ging es auf die 30km zu. An der Straße jetzt auch Massagebänke und Erste-Hilfe-Zelte. Bereits seit einigen Kilometern gab es Läufer mit Gehpausen. Im Vergleich zu denen schien es mir ja gut zu gehen. Das hob meine Moral. Ich lag nur 2min hinter meinem Plan - alles bestens. Zwischen km27 und 33 hatte ich einen richtig schönen Lauf. Es gab auch wieder eine Dusche, so dass Wärme und Sonne nicht sehr zu spüren waren.
 

Dann wurde alles wieder schwerer und ich nahm bei km34 das zweite Power-Gel. Es wirkte auch bald und inzwischen hatte ich auch Hoffnung, meine Wunschzeit zu schaffen. Da machte es auch nichts, dass ich Katharina und Nadine nicht sah, die ich irgendwo an der Gedächtniskirche vermutet hatte. Ich lief und lief und nahm Getränke und vermied es, bei den Getränkestellen Gehpausen zu machen. Kleist- und Bülowstraße (km 35-36) zogen sich hin. Dann die Potsdamer Straße und wieder Susi mit Neffen! Sie lief ein ganzes Stück mit, erzählte, dass Birgit auch irgendwo ist und Bernd um 13:10h ins Ziel gelaufen sei. Ich vermutete, dass er die gefürchteten Krämpfe hatte - aber er war im Ziel!

So verging die böse lange bergauf führende Potsdamer Straße wie von selbst und danach kam der laute Potsdamer Platz voller Bands und Zuschauer. Dann ein Schild: Noch Kilometer vier bis zum nächsten Bier! - Was, nur noch 4 Kilometer!? Ich war fast da! Ich lief und rechnete, wie viel Zeit pro Kilometer ich mir nehmen könnte, um unter 5h zu bleiben. Wow, fast 10min! Ich kann ja fast ins Ziel gehen!

 

Dann die letzte Kurve und Unter den Linden eingebogen. Ich schaffe es! Ich werde finisher sein! Ich werde meine Traumzeit erreichen! Dann auf einmal Birgit am Straßenrand. Das gab mir den letzten Schub, um ordentlich aufs Brandenburger Tor zuzulaufen. An den Cheerleadern entlang durchs Mitteltor. Mir kamen richtig die Tränen vor lauter Glück. Dann der Zieleinlauf an den Tribünen vorbei und über die Matten - bei 4:53:11 h netto. Wahnsinn! Ein tolles Gefühl! Glück pur!
 

Medaille erhalten und nach Bernd Ausschau gehalten. Ganz langsam gegangen- niemanden gesehen. Bananen, Apfel, Tee, Gatorade genommen. Noch ein bisschen im Zielbereich gewartet. Kein Bernd. Vielleicht haben sie ihn nicht zurück in den Zielbereich gelassen? Also ging ich langsam Richtung Kleiderwagen. Letzten Endes brauchten wir eine Stunde, um uns zu finden. Aber das machte nichts - schließlich hatten wir gerade die Früchte eines Laufjahres geerntet - uns konnte nichts erschüttern.

Zu Hause dann gebadet und danach zum Italiener gefahren, Muscheln satt gegessen. Danach wollten wir das Video der Fernsehübertragung ansehen - schliefen aber nach ein paar Minuten schon ein. Also gingen wir bereits um 20:30 ins Bett und ich schlief richtig gut bis 5:30 h durch.

 

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© berlin-runner Katrin