München Marathon 11.10.09

Die größten Abenteuer erlebst du in dir selbst

Berlin - Marathon am 20.09.2009

 

Ja, wie kamen wir auf München? Der Grund war, dass ich beim Berlin-Marathon am 20.09.09 bei km 17 - Südstern - in die U-Bahn gestiegen bin. Warum? Es ging mir bis km 10 super. Dann wurde das Laufen immer schwerer. Meine Uhr zeigte beim km 14 eine Pace von 7:10 min/km an - ein Tempo, das erst für km 34 in Ordnung wäre. Und dabei war es nicht mal leicht, so zu „laufen“! Das verunsicherte mich. Ja, es war recht warm, 26 Grad sollten es werden. Ja, ich hatte mich drei Wochen zuvor verletzt - eine Sprunggelenksdistorsion - und konnte nicht mehr trainieren. Ja, ich wusste auch nicht, ob das Gelenk durchhalten würde. Aber das waren keine objektiven Gründe. Aufgegeben hat der Kopf. Der Gedanke, dass man aussteigen könnte, überfiel mich ganz unvorbereitet. Ich hatte gar nichts dagegenzusetzen. Anzukommen war mir wohl in meinem 11. Marathon ganz selbstverständlich erschienen. Denkste!

 

Im Zielbereich wartete ich dann eineinhalb Stunden lang auf Bernd. Das war eine harte Zeit. Unendlich viele humpelnde, schlurfende, leidende - aber durchweg glückliche - Läufer, alle mit Medaille behangen, kamen an mir vorbei. Und ich saß da, keine Schmerzen, kein Adrenalin, keine Medaille. Kaum auszuhalten. Dann kam Bernd. Er hatte einen schönen Lauf, war aber mit seiner Zeit von 4:06:06h nicht ganz zufrieden.

 

Zu Hause angekommen, meldete ich uns noch am selben Tag für den München-Marathon an. So konnte ich dieses Erlebnis nicht stehen lassen. Und Bernd wollte nicht als Getränkezureicher mitkommen, er hatte ein eigenes Ziel.

 

Zwei Tage nach dem verpatzten Berlin-Marathon lief ich auf Hiddensee ganz allein und bei zum Teil widrigen windigen Bedingungen 30km. Na bitte, geht doch! 

Bericht München Marathon am 11.10.2009


Wir kamen am Freitag Vormittag mit dem Flieger an, bezogen unser schönes Zimmer im Hotel Park Inn und machten uns auf zur Marathon-Messe in der Event-Arena im Olympia-Park. Die Startnummernausgabe verlief problemlos und stressfrei und die Messe mittlerer Größe war auch ganz nett. Na ja, es gab nichts kostenlos zu trinken und auch keine Pace-Bänder. Das Powergel war um 10 Cent teurer als in Berlin und weder Pasta-Party noch Finisher-Shirt - wie z.B. in Stockholm - waren im Startpreis von 65 EUR inbegriffen. Es gab auch keinen Frühstückslauf - wie in Berlin und New York. Keinen SMS-Service (Berlin), keine Fernsehübertragung (Berlin, Hamburg, Stockholm, New York) und wir hatten auch keine Groupies am Straßenrand. Nicht mal jemanden, der uns von zu Hause aus die Daumen drückte, denn wir waren in geheimer Mission unterwegs und hatten niemanden eingeweiht. Das machte aber alles nichts, denn es ging schlicht und einfach darum, einen Marathon zu laufen. Punkt.

Zwischen uns und dem Marathon lag aber noch der Samstag, an dem wir durch München schlenderten - immer darauf bedacht, uns nicht allzusehr anzustrengen. Und die Wettervorhersage beobachteten, die leider immer schlechter wurde. Inzwischen war für Sonntag vormittag mäßiger Regen und 14 Grad angesagt. Am Samstag abend futterten wir Nudeln mit Hackfleisch beim Griechen, da es in der Umgebung des Hotels leider kein italienisches Restaurant gab. Wir waren allerdings etwas zurückhaltend, da wir nach dem dortigen Abendessen am Freitag ziemliches Bauchgrummeln hatten.

Nachts regnete es heftig, aber am Morgen zeigte der Radarschirm - wir hatten glücklicherweise Internet im Hotelzimmer - keinen Regen mehr. Nach dem Frühstück im Hotel fuhren wir mit dem Bus zum Olympiapark. Die Kleiderabgabe und das Ziel befanden sich im Olympiastadion, der Start etwa 1 km entfernt. Wir zogen uns im Stadion um - plötzlich schien die Sonne und es war keine Wolke mehr zu sehen. Also ließen wir die Weste im Kleiderbeutel und waren nun mit Dreiviertelhose und langem dünnen Shirt angetan. Die Kleiderbeutelabgabe war leicht chaotisch - für 1000 Beutel stand ein einziges Helferlein da, um die Sachen entgegenzunehmen. Bernd brachte unsere Beutel kurzerhand selbst zum richtigen Häufchen. Dafür gab es keinen Toilettenmangel dort im Stadion. Allerdings auch keine Wärmetüten. Wir hatten zum Glück eigene mit.

Wir wanderten zum Start und kamen stressfrei 15 Minuten vor dem Startschuss an. Bernd ging in Block A für Läufer bis 3:45h, ich in Block B für alle anderen. Es waren etwa 6.000 Marathonis gemeldet. Etwa eine Stunde nach uns wurde noch eine Marathon-Staffel mit etwa 1.000 Läufern gestartet. Der Start von Block A erfolgte um 10:00h mit einem dicken Böllerschuss. Um 10:10h war Block B dran. Ich stand recht weit vorn und konnte sofort mein Tempo laufen. Wie immer war ich anfangs zu schnell, aber ich hatte mir auch ein hoffentlich gut erreichbares Ziel gesetzt: 1. ankommen - 2. unter 5h wäre schön. Dafür hatte ich meine Pace von New York ausgekramt, wonach ich 14 km in 6:40 min, 14 km in 7:00 min und die restlichen 14km in 7:20 min laufen wollte, ergibt am Ende 4:55 h.

Zuerst liefen wir durch das recht vornehme Schwabing zur ersten Begegnungsstrecke bei km 2,5 bis 5,5 in der Leopoldstraße und durchs Siegestor hindurch. Hier gab es schon die erste Blaskapelle, die gerade "Resi, i hol di mitm Traktor ab" spielte. Am Ende der Begegnungsstrecke sah ich allerdings, dass das Feld hinter mir gar nicht so unendlich lang war... Obwohl ich etwas schneller als geplant lief, die ersten 5km in 6:27 min. Wir liefen dann weiter Richtung Englischer Garten und es war unterhaltsam, denn vor mir lief ein Jongleur mit drei Bällen. Dann verlief die Strecke 7km lang durch den Englischen Garten, einen großen Park. Ich fand es toll, eine schöne ruhige Strecke, die mich an unsere vielen langen Läufe im Grunewald erinnerte. Schon waren 15 km gelaufen aber oops - es lag gar keine Mess-Matte dort! Kurze Zeit später überholte der erste Staffelläufer. Zwischen km 15 und 17 musste ein recht langer Anstieg bewältigt werden - aber das war auch der Einzige. Mir ging es gut, schließlich hatte ich guten Mutes schon km 17 passiert - der Punkt, bei dem ich drei Wochen vorher in Berlin ausgestiegen war. Die Strecke verlief jetzt durch den Münchener Osten und war recht unscheinbar. Hin und wieder standen ein paar Zuschauer dort, ansonsten waren die Läufer unter sich. Sehr gut waren die Getränke- und Verpflegungsstellen organisiert. Es gab Wasser, Isogetränk, manchmal Tee, Bananen und Müsli-Riegel. Gegessen habe ich nichts, ich hatte ja 3x Power-Gel dabei. Außerdem erstmalig Salztabletten, von denen ich bei km 24 einem krampfgeplagten jungen Mann abgab. Wie seine Mitläuferin mir dann erzählte, hatte er wohl vorher keine längeren Läufe als 10km absolviert. Tja...

Sowohl bei km 20 als auch km 25 fehlten die Messmatten. Dafür gab es an jeder Staffelübergabestelle eine Matte für die zahlenmäßig weit unterlegenen Staffelläufer. Diese scheinen dem Veranstalter wohl wichtiger zu sein. Uhren gab es auf der Strecke überhaupt nicht. Eine blöde Sache für Bernd, dessen eigene Uhr ausgefallen war. Das Laufen fiel inzwischen schwerer, es waren ja auch schon 29km geschafft. Endlich kam die Innenstadt in Sicht. Ich freute mich nach 20 ruhigen Kilometern schon auf Stimmung und Anfeuerung. Über die Ludwigsbrücke liefen wir in die Innenstadt ein. Aber kaum jemand stand an den Absperrungen, um anzufeuern. Komisch. Die Leute gingen zum Großteil einfach ihres Weges. Die Läuferschar da hinten, wo ich lief, war recht ausgedünnt und manchmal musste ich direkt genau hinschauen, um zwischen Läufern vor mir und anderen Fußgängern zu unterscheiden. Fast kam ich mir vor, als störe ich den Münchener Normalsonntag. Ja, dann aber am Marienplatz! Hier waren doch viele Leute und es stand dort ein Sprecher, der meine Startnummer abgelesen hatte und laut ansagte, dass nun Katrin Struzak käme! Jawoll, die Arme hoch! Das war toll! Dann liefen wir eine Schleife durch die Innenstadt, kamen noch einmal am Marienplatz vorbei und ab ging es wieder auf die Ludwigstraße, wo wir bei km 4 schon einmal waren. Nun aber hatten wir schon 32km hinter uns!  Hier begann wieder eine Begegnungsstrecke und es kamen die Läufer, die schon bei km 36 waren, entgegen. Wir passierten auf diesem Abschnitt wohl einige Sehenswürdigkeiten wie die Alte Pinakothek, aber davon bekam ich nichts mehr mit. Es hieß jetzt nur noch: durchhalten! Und bei den Getränken: zurückhalten! Am liebsten hätte ich einen Becher nach dem anderen getrunken, aber so etwas geht nicht gut! Dafür testete ich einen Traubenzucker, den ich in der Tasche hatte. Diesem wird ja nachgesagt, dass er den Blutzuckerspiegel zwar schnell steigen läßt, dieser aber genauso schnell wieder sinkt und dieser Absturz sei schrecklich. War aber gar nicht so. Der Traubenzucker bewirkte vor allem, dass der Kopf wieder klarer wurde, die Nebel schwanden und das Ziel - nämlich ins Ziel zu kommen - wieder deutlich war. Super, ich werde jetzt immer Traubenzucker dabei haben!

 

Ja, nun war ich die, die bei km 36 war und von den anderen bei 32 beneidet wurde. Die Strecke führte nun wieder die Leopoldstraße entlang, wie schon bei km 3 und zurück durch Schwabing. Es war nun doch sehr anstrengend, aber trotzdem schon klar, dass ich unter 5h hereinkomme. Bei km 37 gab es Freibier (alkoholfrei) für die Läufer, aber ich sah niemanden, der sich traute. In der Elisabethstraße und später im Olympiapark gab es doch hin und wieder einige Zuschauer, die mich - sicher weil die Läufer so vereinzelt unterwegs waren - ganz persönlich anfeuerten. Ich freute mich nun sehr aufs Ziel und auf Bernd, für den ich ein gutes Ergebnis erhoffte. Bald kam das Stadion in Sicht, aber wir mussten erst außen herumlaufen, um in den Tunnel zum Marathontor zu kommen. Im Tunnel war Musike und Diskolicht, das feuerte noch mal an. Die ¾ Runde im Stadion war reiner Genuss. An der Bande im Innenraum stand schon Bernd und machte Fotos. Die Arme hoch - und auf einmal war es geschafft. 4:55:05 h - genau wie geplant. Toll! Bernd wartete gleich im Innenraum auf mich. Er war nach 3:49:14 h im Ziel und  wurde 3. in seiner Altersklasse. Unglaublich! Und das drei Wochen nach dem Berlin-Marathon!

Gleich im Innenraum gab es Wasser, Isogetränk, Freibier, Bananen und Müsliriegel. Alles schnell erreichbar und ohne anzustehen. Das war gut. Allerdings gab es keine Wärmefolien mehr - das war mehr als schlecht, denn es war recht kalt. Zum Glück hatte Bernd seine noch und gab sie mir. Die Kleidertüten waren ja außen am Stadion, da musste man erstmal hin. Wir zogen uns dann um und machten uns glücklich und mehr als zufrieden auf ins Hotel.

 

Später lasen wir in einem Zeitungsartikel, dass dieses Jahr besonders viele Münchener beim Marathon zuschauten, weil sie bei dem angesagten Wetter nicht in die Berge gingen. Wenn das „besonders viele“ waren, wie einsam muss es denn beim Marathon bei schönem Wetter sein? Ihr Münchener, nehmt euch mal an dem Hamburger Stimmungskanonen ein Beispiel!

 

Tja, wie geht’s weiter? Vielleicht wird es im Frühjahr doch eher ein Marathon in Deutschland.
 

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© berlin-runner Katrin