Göteborg Halbmarathon 12.05.12

So, nun liegt sie schon wieder hinter uns - die zweitgrößte Laufveranstaltung der Welt! Von 62.513 gemeldeten Läufern (der Lauf war bereits Anfang Oktober ausverkauft) starteten 44.828 und kamen 44.099 ins Ziel. Nur der New York Marathon ist mit 47.323 Finishern (2011) noch größer. Dafür aber am Start und am Ziel stressiger.

Dass alles so stressfrei ablief, lag an der sehr guten Organisation und der großen Disziplin der Skandinavier. Ich habe niemanden gesehen, der im falschen Startblock startete. Trotz fehlender Kontrollen. Das wäre z.B. in Berlin undenkbar.

 

So, aber jetzt von vorn:

 

Der Lauf startete am Samstag ab 13:30 Uhr.  Wir kamen am Freitag Mittag in Göteborg an, checkten im am Bahnhof gelegenen Hotel Grand Opera ein und machten uns mit der Straßenbahn auf zur Startnummernausgabe, die in einer Sporthalle am Start-/ Zielbereich im Schlosswaldpark stattfand. Dort war noch nicht viel los, es waren noch fast alle Startnummern in unendlich vielen Kästen da. Wir erhielten nur die Startnummer und den Leihchip. Keine Kleidertüten. Muss man selbst mitbringen. Es gab auch eine Messe, die war gar nicht so klein aber wegen des schlechten Euro-Kronen-Wechselkurses für uns nicht so interessant. Wir besichtigten dann noch den Zielbereich in einem kleinen alten Stadion und den Startbereich auf der Margretebergsgatan. Es waren zwar schon das Zieltor und die Startfahne aufgebaut, aber davon, dass am nächsten Tag tausende Läufer hier starten sollten, war noch nicht viel zu sehen.

 

Am Samstag versuchten wir lange zu schlafen. Na ja, ungewohnte Umgebung, gegen acht Uhr waren wir beim Frühstück. Das Hotel war wie alle anderen Hotels ausgebucht und so hatten wir mit leichtem Chaos beim Frühstück gerechnet. Nix. Die Skandinavier stehen alle später auf, das zeigte sich auch in den nächsten Tagen. Wir frühstückten also gemütlich so viel und so lange wir konnten. Dann bereiteten wir unsere Sachen für den Lauf vor und ruhten noch ein Stündchen aus.

 

Gegen zwölf Uhr machten wir uns wieder mit der Straßenbahn auf zum Startbereich. Die Straßenbahn war nicht mal richtig voll. Im Startbereich waren viele Leute, aber von Stress keine Spur. Sicher sah das an der Startnummernausgabe anders aus, aber dort mussten wir ja nicht hin. Wir schauten noch mal den Zielbereich an - ich finde es immer gut, wenn man während des Laufes weiß, wo man eigentlich hin will. Dann auf Toilette, die waren noch leer.

 

Dann gingen wir zur Kleiderabgabe der Männer. Dort war auch gleich Bernds Startbereich und ein großer Platz, wo Aufwärmgymnastik gemacht wurde und sich außen herum alle warmliefen. Die Kleiderbeutel werden im Freien aufbewahrt - das ist sicher schlecht, wenn es regnet. Tat es aber nicht.

 

Ach ja, das Wetter. Nachdem am Wochenende zuvor 25 Grad herrschten, hatte es sich sehr abgekühlt und es war leichter Regen und 11 Grad vorhergesagt. Der Regen kam auch - morgens bis gegen 10 Uhr. Dann war es wolkig bis 15 Uhr und dann kam die Sonne. Es war aber weiter windig und angenehm kühl.

 

Der Start der Elite erfolgte um 13:30 Uhr. Davon bekamen wir leider nichts mit. Bernds Startblock sollte um 13:48 Uhr starten und genauso war es auch. Gut, wenn man sich mit dem Umziehen und Warmlaufen so auf die Zeiten verlassen kann. Im 5-7 Minutentakt wurden dann die weiteren Startblöcke bis um 16:15 gestartet. Ich war im Block Nr. 14 um 15:05 Uhr dran und hatte also noch eine gute Stunde Zeit, meinen Kleiderbeutel abzugeben und aufs Toi zu gehen.

 

Das Gelände wurde jetzt allerdings ganz schön voll, so dass der recht weite Weg zur Kleiderabgabe der Frauen gedauert hat. Dort fand ich ein schönes abseits gelegenes windstilles Plätzchen auf einer Bank und blieb 20 min. Danach Kleiderbeutel abgeben (die Beutel auch wieder im Freien) und 15 min an der Toilette anstehen. Danach war es schon fast soweit und ich ging zum Startblock. Nun kam sogar die Sonne raus.

 

Beim Start sah ich die entgegen kommenden Läufer, die nach 1:30h schon ins Ziel liefen. Dann liefen wir durch den Park und die Strecke wurde sofort wellig. Auf dem Profil des Streckenplanes hatte es eigentlich nur nach zwei größeren Anstiegen auf die Brücken ausgesehen… Ich merkte gleich, dass es keine Bestzeit werden kann.

 

Im Park und an der Strecke waren auch immer wieder Zuschauer, aber eigentlich bemerkte man sie gar nicht. Sie standen nur und schauten zu. Nur hin und wieder Anfeuerungsrufe. Keine Ratschen, keine Rasseln, keine Glocken, gar nichts. Kaum Kinder, die die Hände zum Abklatschen hinhielten. Dafür gab es recht viele Bands, von der Rockband bis zu Akkordeonspielern. Diese wurden nun von den Läufern kaum beachtet. Keine Rufe, kein Klatschen….  Eigenartige Mentalität. Es gab auch kaum Gespräche unter Läufern, wie sie sich sonst immer mal ergeben.

 

Von den 62.513 Anmeldungen waren 60.360 Schweden. Dänen waren gerade mal 613 gemeldet und Deutsche 187. Die Schweden blieben also fast unter sich und ich habe außer einem Dänen während des Laufes niemandem angesehen, dass er evtl. von woanders kommt.

 

Ich lief also die wellige Strecke entlang und nach 5km kam der größte Anstieg: die Brücke über den Göta-Fluss. Der Anstieg war fast 1km lang. Danach führte die Strecke am Nordufer des Göta-Flusses entlang und war relativ flach. Leider hatte ich dann zwischen km10 und 13 leichte Bauchkrämpfe und musste mein langsames Tempo verlangsamen. Ich glaube, dass ich so späte Startzeiten einfach nicht gewöhnt bin. Na gut, ich schaute mir die Gegend an; es gab nette Mehrfamilienhäuser nah am Wasser mit Bootssteg vor der Tür - schön. Aber auch windig.

 

Es gab alle 2km abwechselnd Wasser und Wasser + Isogetränke, das war sehr gut. An der Strecke gab es auch 18 Punkte, von denen aus abbrechende Läufer sich von einem Taxi zurückfahren lassen konnten.

 

Irgendwann war bei km14 die zweite Brücke über den Göta-Fluss erreicht, wieder ein heftiger Anstieg, nicht ganz so schlimm wie die erste Brücke. Wir liefen nun ins Zentrum und es gab wieder viele leise Zuschauer. Nun kam bald wieder ein langer Anstieg zum Göta-Platz, wo es eine 500m lange Begegnungsstrecke gab und das Denkmal umrundet wurde. Hinter dem Denkmal kam eine Schwammstation und die Strasse war dermaßen mit Schwämmen bedeckt, dass ich die Beine ganz schön heben musste.

 

Ich musste mich nun schon richtig zusammenreißen, um wenigstens unter 2:30h ins Ziel zu kommen und die Reststrecke war daher nur noch das Erwarten des Ziels. Klar, es gab noch ein paar Anstiege… Irgendwann war das geschafft und ich lief in den Park ein und dann kam auch das Stadion in Sicht! Auf der Tribüne gleich an der Startbrücke wartete schon Bernd. Der Ärmste - durch die verschobenen Startzeiten und seinen schnelleren Lauf war er schon fast zwei Stunden im Ziel und kräftig durchgefroren.

 

Ich erhielt die Medaillie und gab den Chip ab. Die Zielverpflegung war etwas enttäuschend - es gab Wasser und einen Keksriegel und eine Banane. Ok, das inzwischen gewohnte alkoholfreie Bier ist ja in Schweden nicht zu erwarten. Aber ein bisschen warmer Tee wäre schön gewesen.

 

Ich holte meinen Kleiderbeutel - das funktionierte alles reibungslos und verschwand in der Umkleidehalle der Damen. Brrr, nur die Harten komm´in´ Garten: Es war eine Eislaufhalle, ein Drittel der Eisfläche war mit einer Gummimatte abgedeckt zum Umziehen. Eiskalt. Da wurden die Herren in ihrem Zelt ja richtig verhätschelt…

 

Im Stadion traf ich dann Bernd wieder, wir schauten noch ein bisschen bei den Einläufen zu und machten uns dann auf zur Straßenbahn. Der Weg dorthin und die Haltestelle (Marklandsgatan) waren zwar voll, aber wir kamen mit der ersten Bahn mit. Unglaublich, wie professionell die Massen dort bewältigt wurden.

 

Ich war ja sehr gespannt, wie so ein riesengrosses Ereignis ablaufen soll, aber letztendlich war davon nichts zu bemerken. Das Gedränge z.B. beim Berliner Halbmarathon (28.737 Finisher 2012) ist um vieles größer…

 

Den Lauf gewann der Kenianer Victor Kipchirchir und auch die nächsten 13 Namen hören sich afrikanisch an. Da scheint es wohl attraktive Start- und Siegprämien zu geben. 

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© berlin-runner Katrin